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20.05.2008 | Zukunft Tourismus: Trends und Entwicklungen
 

Die erste Jahreshälfte wird auch im Reise- und Tourismussektor genutzt um sämtliche Zahlen und Fakten des vergangenen Jahres zu analysieren, auszuwerten und in aktuellen Trendstudien vorzustellen. Eine sehr gute Gelegenheit, sich mit den wichtigsten Neuerungen und zukünftigen Entwicklungen auseinander zu setzen.

Halten wir uns die weltweite Situation der letzten Jahre vor Augen, so kann man durchaus von einer sehr turbulenten Zeit sprechen. Naturkatastrophen, politische Unruhen, Wirtschaftskrisen, Krankheiten aber auch der Klimawandel hat den Tourismusmarkt stark ins Schwanken gebracht. Die Auswirkungen waren und sind zum Teil auch heute noch deutlich spürbar: Späte Urlaubsbuchungen, hohe Preissensibilität, die Tendenz zu kürzeren Aufenthalten, die Forderung nach mehr Flexibilität und Individualität sind deutlich erkennbar. Der Gast von heute ist reiseerfahrener denn je. Tendenz steigend.

Und trotzdem: Die Entwicklungen des vergangenen Jahres 2007 können uns positiv stimmen. Weltweit haben die Auslandreisen zugenommen. In Europa um durchschnittlich 5%, Asien war mit einem Plus von 10% absoluter Spitzenreiter. Auch die Prognosen für das heurige Jahr sind gut, es wird ein Reisezuwachs von durchschnittlich 5% erwartet.

Beim intensiverer Studie des europäischen Reiseverhaltens ist es interessant festzuhalten, dass vor allem die Russen (+16%), die Spanier (+15%), die Polen (+14%) und die Tschechen (+11%) im vergangenen Jahr ihre Reiselust deutlich gesteigert haben. Der Osten ist auch weiterhin unumstritten im Vormarsch.

Vier Urlaubsarten der Europäer traten 2007 ganz klar als Sieger hervor: Die Städtereisen konnten einen Zuwachs von 5% zum Vorjahr generieren. Hier waren es allen voran Oststädte wie Moskau, St. Petersburg, Prag oder Riga. Auch gewachsen sind die Badeaufenthalte mit einem Durchschnitt von 6%. Die Europäer entdeckten dabei verstärkt den asiatischen Kontinent als Reiseziel. Für Südtirol sehr positiv ist das Plus von 9% bei den Land- und Bergurlauben. Und absolute Top-Reiseart der Europäer war im vergangenen Jahr die Rundreise. Damit wird auch der Trend zum Individualurlaub umso stärker unterstrichen.

Aber wie schaut denn die touristische Zukunft aus? In welche Richtung werden wir uns entwickeln? Viele verschiedene Trendstudien versuchen darauf eine Antwort zu geben. Vier davon lesen Sie in Folge:

Trend Nr. 1: Geiz ist geil – Nicht im Urlaub!
Europaweit ist eine abnehmende Sparneigung feststellbar. Und sogar in Deutschland hat die rückläufige Ausgabebereitschaft beim Urlaub ein Ende. 2008 wollen laut ADAC Umfrage ca. 57% nicht mehr beim Urlaub sparen und mehr ausgeben als im Jahr zuvor. Und auch wenn Billigreisen nicht mehr vom Markt wegzudenken sind, sondern aufgrund des hohen Wettbewerb immer billiger werden, muss man sich deutlich vor Augen halten, dass seit dem Jahr 2000 Reisen, welche mehr als 3.000 € gekostet haben, sich nahezu verdoppelt haben.

Dabei ist Luxus ist nicht gleich Luxus. Während vor allem in den osteuropäischen Staaten ein extrovertiertes Luxusverständnis vorherrscht, definiert sich in den westeuropäischen Ländern Luxus zunehmend nicht mehr über den Preis, sondern über nicht-materielle Faktoren. Es geht dabei um Erinnerungswerte, um das Wissen etwas Authentisches und qualitativ Hochwertiges geboten zu bekommen. Für Sie als Hotelier ist es wichtig zu wissen: Der Luxus von heute ist der Maßstab für Massenkonsum von morgen. Was heute noch Besonders und Speziell ist, kann der Gast schon bald als Selbstverständlichkeit verlangen.

Trend Nr. 2: Bausteinreisen
Es wurde bereits eingangs erwähnt: Die Gästeforderung nach Individualität und Flexibilität steigt stetig. Das beginnt schon bei der Reiseorganisation selbst, denn 2008 werden 56% aller europäischen Urlaubsreisen selbst organisiert und nur 30% gänzlich im Vorhinein gebucht werden. Bei der Reise selbst geht die Tendenz weg vom Pauschaltourismus, hin zum maßgeschneiderten Urlaub. Vorbei ist die Zeit des vierzehntägigen Strandurlaubs in Rimini. Wie bei einem Baukasten werden unterschiedliche Aktivitäten in eine Reise „eingepackt“ und miteinander verbunden. Rundreisen, Kulturbesichtigungen, Stadt und Natur, Sport und Relax – alles wird in einen Urlaub integriert.

Trend Nr. 3: Die Lohas kommen
Lohas steht für Lifestyle of Health and Sustainability. Dabei handelt es sich um Menschen, die geprägt sind von der Sehnsucht nach einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil. Sie kennen es: Jungsein ist in, Umweltbewusstsein ist in. Lohas wollen ihr Jungsein genauso retten wie die Welt. Und das möglichst bequem und voller Lebensfreude. Dabei spielt Zeit und Leistungsdruck eine ganz bedeutende Rolle. Wir leben doppelt so lange wie vor 100 Jahren, beschleunigen unser Leben und wollen alles gleichzeitig machen. Entschleunigung bei totaler Beschleunigung. LOHAS wollen in kürzester Zeit die eigene Leistungsfähigkeit wiederherstellen, mit Qualität und einem ausgeprägten Fun-Faktor. Denn Gesundheit schließe Genuss schon lange nicht mehr aus.

Trend Nr. 4: Reiseverhalten im Klimawandel
Das Bewusstsein rund um den Klimawandel ist bei uns Europäern mittlerweile schon angekommen. Im Alltag sind wir auch bereit klimaschonend zu agieren. Wenn es jedoch um unseren Urlaub geht, sieht die Situation gänzlich anders aus. Klimaschonendes Reiseverhalten stößt zwar auf positive Resonanz, führt jedoch aktuell zu keinem geänderten Verhalten. Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz ist bereit, auf Flugreisen zu verzichten, mehr mit der Bahn zu fahren oder gar bewusst auf das Reisen zu verzichten. Und trotz dieses Verhaltens kann man heute bereits festhalten: Wer es in Zukunft schafft, pfiffige Produkte im Bewusstsein des Klimawandels anzubieten, wird sich mit Sicherheit vor seinen Mitbewerbern abheben und dadurch einen frühen Wettbewerbsvorteil sichern.


Dr. Barbara Aster
Hotel & Tourism Consulting Michaeler & Partner



Quellen: World Travel Monitor 2007, FUR, ADAC


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