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200 Jahre Tradition, eines der führenden Heilbäder Europas, einzigartiges Thermalwasser und schwefelhaltiger Heilschlamm. Mit diesen Schlagwörtern und den dazugehörigen Stimmungsbilder präsentiert sich die Thermae Piešťany auf großflächigen Plakaten entlang der Autobahn von Wien nach Bratislava. Es entsteht das Gefühl, dass in den nächsten Jahren der Nachbar im Westen für einige Bewegung in der Wellness- und Thermenlandschaft Österreichs sorgen wird. Die Slowakei hat im Hinblick auf Heilthermen eine Jahrhundert alte Tradition. Heute sind die wichtigsten Kurzentren Piešťany, Trenčianske Teplice, Bardejov und Rajecké Teplice
Gerade die Entwicklung in Piešťany könnte als Muster für die Entwicklung der Thermenlandschaft in der Slowakei dienen. Bei der Thermae Piešťany handelt es sich um einen Komplex mit einem stark ausgeprägten medizinischen Teil, Hotels der unterschiedlichsten Kategorien und sogar Kino- und Konzertsäle. Eindeutiger Schwerpunkt des Leistungsangebotes ist eine hochmedizinische Pflege. Piešťany hatte bereits Ende des 16. Jhdt ein vorzügliches Renommee. Adelige Gäste genossen sowohl die Lage als auch die leichte Zugänglichkeit ca. 140 km von Wien (bzw. 250 km von Budapest) als auch die Heilkraft des Wassers und des damit verbundenen Schwefelschlamms mit heilsamer Wirkung. Natürlich ist die politische Entwicklung im letzten Jahrhundert auch nicht an Piešťany spurlos vorübergegangen. Während des Kommunismus wurden die Kurorte großteils verstaatlicht und als reinmedizinische Einrichtungen genutzt. Die Gäste wurden in erster Linie von Krankenkassen geschickt. Wenn auch im kleinen Umfang erfreute sich Piešťany zu dieser Zeit großer Beliebtheit unter westeuropäischen Gästen. Die Begeisterung dieser Gäste resultierte in erster Linie aus der Kombination der niedrigen Preisen und der qualitativ hochwertigen medizinischen Betreuung.
Nach den politischen Veränderungen im Jahr 1989 haben sich aber auch die Rahmenbedingungen in Piešťany verändert. Heute wird die Therme von der ungarischen Hotelkette Danubius geführt. Piešťany bietet nach wie vor medizinische Pflege auf höchstem Niveau. Gleichzeitig ist man bedingt durch die fehlende Bezahlung der Kuraufenthalte durch Krankenkassen und die dadurch deutliche kürzere Aufenthaltsdauer der Gäste dazu übergegangen auch auf die Bedürfnisse von Kurzurlauber einzugehen, indem Pakete für Kurzaufenthalte konzipiert werden. Dabei hat der Gast nach wie vor die Möglichkeit, vor der Auswahl möglicher Behandlungen, einen Kurarzt zu konsultieren.
Daneben gibt es aber auch Tendenzen die einen etwas anderen – vielleicht innovativeren Weg – einschlagen. Ziel einiger neuen Projekte ist es Piešťany neu zu positionieren. Weg von medizinischer Betreuung und Krankheit hin zur Wellness & SPA Gedanke wie sie in Westeuropa verstanden wird. Dabei sollen die bereits bestehenden Stärken in ansprechende moderne Konzepte eingearbeitet und in Kombination mit einer modernen Architektur und einem Wellnessangebot das das „Wohlfühlen“ anstatt des „Heilens“ im Mittelpunkt stellt vermarktet werden. Ziel ist es mit diesen Projekten eine breitere, deutlich jüngere Zielgruppe anzusprechen, die das Angebot Piešťanys auch für einen Kurzaufenthalt in Anspruch nimmt. Die Etablierung eines sich in der Slowakei spürbaren Wellnesstrends und die räumliche Nähe zur slowakischen Hauptstadt Bratislava stellen ideale Faktoren für den Erfolg solcher Produkte dar und die räumliche Nähe zu Wien in Verbindung mit einem etwas günstigeren Angebot ist sicher auch kein Nachteil.
Mag. (FH) Vala Sadeghi Hotel & Tourism Consulting Michaeler & Partner
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